Veranstaltungszeitraum: Läuft bis 27.09.2026

Helmut Menzel – Rougher Than Rough

Helmut Menzel entwickelte für Weiden neue Gefäße aus Keramik.

Die Gefäße kann man benutzen.
Zum Beispiel als Vase, Servierplatte oder Becher.
Gleichzeitig sind sie auch plastische Objekte.
Sie wirken eher gebaut als geformt.
Ihre Formen sind gedrungen, gestapelt und aufgerichtet.
Kanten, Absätze und Nahtstellen bleiben sichtbar.
Die Gefäße zeigen, wie sie entstanden sind.
Aber sie machen daraus keine erzählende Geste.

Der Ausgangspunkt für viele Arbeiten sind Holzmodel.
Der Ton wird in diese Formen gedrückt.
So übernimmt er zuerst eine Struktur, die schon da ist.
Ähnlich funktioniert auch die Überschlagtechnik.
Andere Körper werden vor dem Glasieren mit der Bohrfräse bearbeitet.
Die Formen entstehen also nicht frei.
Sie entstehen durch Abdruck, Druck und anschließende Bearbeitung.

Buntes Blumenbild: Weiße Lilien und lila Iris in einer gelben, viereckigen Vase.

Bevor die Glasur die Form zusammenfasst
und der Brand sie endgültig festlegt,
wird eine harte und raue Grundstruktur gesucht.
Diese Arbeitsweise ist für Menzel sehr wichtig.
Die eigene Handschrift soll im Objekt nicht direkt sichtbar sein.
Sie wird begrenzt, verschoben
und an keramische und bildhauerische Verfahren gebunden.
Das Model gibt eine Form vor.
Das Werkzeug hinterlässt Spuren.
Diese Spuren entziehen sich der freien Modellierung.
Die Glasur reagiert auf Kanten, Vertiefungen
und auf die Dichte des Materials.
Der Brand verändert noch einmal,
was vorher entschieden wurde.

Menzel arbeitet mit diesen Einflüssen.
Er verdeckt sie nicht.
Auch die Farbigkeit folgt diesem Gedanken.

In früheren Arbeiten spielten Wachs- und Papiermasken eine größere Rolle.
Die neuen Gefäße sind im Vergleich dazu direkter glasiert.
Auch wenn mehrere Schichten aufgetragen werden,
sitzen Gelb, Rot oder Weiß blockhaft auf den Körpern.

Die Farbe wirkt weniger wie Malerei auf einer Oberfläche.
Sie gehört zur Konstruktion des Gefäßes.
Sie legt Bereiche fest
und macht Übergänge sichtbar.

Gerade die einfache Glasur
lässt die plastische Struktur stärker hervortreten.
Die Objekte bleiben nah am Gebrauch.

Öffnung, Stand, Innenraum und Volumen zeigen:
Es sind Gefäße.

Gleichzeitig wird diese Vertrautheit immer wieder verschoben.
Ein Becher wird zu einem aufgerichteten Körper,
vielleicht zu einem Blütenkelch.
Eine Vase wirkt wie ein kleiner Turm.
Ein Tablett erscheint als reliefartige abstrakte Form.

Die Arbeiten nutzen bekannte keramische Typen.
Aber sie gehen nicht ganz in ihnen auf.

Rougher than rough zeigt Keramik als ein Medium,
in dem Formgebung und Kontrollverlust eng beieinanderliegen.
Menzel verwendet Verfahren, die Wiederholung möglich machen.
Gleichzeitig nimmt er in Kauf,
dass jedes Stück anders ausfällt.

Die serielle Anlage führt zu Einzelobjekten.
Ihre Unterschiede entstehen durch Material, Druck, Glasur und Brand.
Die Arbeiten wirken deshalb roh und präzise zugleich.

Ihre Kraft liegt nicht in einer spektakulären Geste.
Sie liegt in der Spannung
zwischen Vorgabe und Abweichung.

So entstehen Gefäße,
die ihre Funktion behalten
und zugleich skulptural gedacht sind.
Sie stehen im Raum als kompakte Körper.
Die Hand des Künstlers zeigt sich gerade dort,
wo sie sich zurücknimmt.

Diese Ausstellung wird durch die Unterstützung
des Freundeskreises „Die Keramischen e.V.“ ermöglicht.